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Bunker G3, Dueodde 

von: Sara B. Gildberg Foto: Anders beier

 

Geht man ein Stück in den Kiefernwald bei Dueodde hinein, ahnt man plötzlich den Umriss von rauem, grauem Beton, der aus dem wilden Gebüsch des Waldbodens herausragt. Über einen schmalen, verwilderten Waldweg kommt man näher, und der Umriss nimmt Gestalt an, als sich das Gebüsch allmählich gegen eine hohe Mauer mit Spuren von Algen und alten Graffitis öffnet, und eine enorme geometrische Konstruktion freigibt. Mitten im Wald, zwischen den hohen Stämmen, liegt ein mystischer Riese. In der Tat gibt es zwei davon in einem Abstand von ca. 300 Metern. Auf den ersten Blick sieht es eher aus wie ein Landeplatz für ein UFO: eine zylindrische Auẞenmauer mit drei meter hohen Vorsprüngen aus Beton und einem kreisförmigen gehobenen Plateau in der Mitte.

Es sind Bunker aus dem 2. Weltkrieg, genauer gesagt die Geschützstände G3 und G4. Mit den Geräuschen der Baumwipfel oben, liegen sie seit Jahrzehnten hier, umgeben von Natur, wie ein stillschweigendes Zeugnis von einer tragischen Periode in der Geschichte sowohl Bornholms als Dänemarks. G3 wurde 1940 von der deutschen Wehrmacht auf Bornholm gebaut, und ist der am besten erhaltene der beiden Bunker. Die etwa 3 Meter lange und 40 Meter breite Konstruktion war für eine enorme Kanonenbatterie vorgesehen. Auf dem runden Plateau in der Mitte sollte eine 17 Meter lange Kanone, mehr als 100 Tonnen schwer, angebracht werden, mit Kapazität dazu 800 Kilo schwere Granaten mit 300 Stundenkilometer gegen jeden Feind in dem südlichen Teil der Ostsee abzuschieẞen. Die Kanonen fehlen – ja, eigentlich waren sie nie da. Die Deutschen hatten geplant, insgesamt vier Geschützstände zu bauen, aber nur zwei wurden gebaut. Schon 1941 mussten sie den Plan aufgeben, da der Bau schon von Anfang an mit groẞen Problemen zu kämpfen hatte. U.a. konnte man die notwendige Arbeitskraft nicht sichern, und dann kam der Eiswinter 1940 mit dänischem Kälterekord von minus 30 Grad. Aber heute, 80 Jahre später, stehen die Geschützstände G3 und G4 noch da, fast intakt, und man kann sich frei in die Konstruktion bewegen. Was das Architektonische betrifft, gibt es bestimmt etwas zu sehen. G3 und die Natur bilden praktisch eine Einheit, so wie G3 plötzlich aus dem sandigen Waldboden hervortritt – monumental und trotzdem vergänglich. Räumlich gesehen wird man in die Mitte der Konstruktion eingezogen, wo die Geräusche des Waldes fast verstummen, und der runde Betongraben mit den dicken Auẞenmauern ein verkehrtes Gefühl der Geborgenheit schafft.

Die Geschützstände erinnern an die besondere Position Bornholms während des 2. Weltkrieges. Die südliche Ostsee war der letzte Evakuierungsweg Richtung Westen für die deutschen Truppen, und deshalb war die Lage Bornholms strategisch wichtig für die Deutschen. Das bedeutete u.a., dass der deutsche Admiral auf Bornholm die Insel immer noch in einem eisernen Griff hielt, bis zu den zerstörenden, sowjetischen Bombardements auf Rønne und Nexø am 7. und 8. Mai 1945, während das übrige Dänemark am 5. Mai 1945 die Befreiung feierte. Am Tag nach den Bombardements, am 9. Mai 1945, kamen 5 Torpedoboote mit sowjetischen Streitkräften an, die auf Bornholm an Land gingen, und erst am 5. April 1946 verlieẞen die Russen nach Verhandlungen mit der dänischen Regierung die Insel. Bornholm wurde also erst fast ein Jahr nach dem übrigen Dänemark endgültig befreit, unbestreitbar schlecht für das Nationalgefühl der Bornholmer.

Es besteht absolut die Möglichkeit die vielen Räume des Bunkers auf eigene Faust zu erforschen. Es ist jedoch eine gute Idee, eine Taschenlampe und einen warmen Pullover mitzubringen. Drinnen ist es nämlich kühl, klamm und pech finster, und man muss sich vor willkürlichen Löchern am Boden, frei gelegenen Eisen und Holzresten in Acht nehmen. In der Tiefe des Bunkers herrscht eine sonderbare, fast anechoische Stille und ein Geruch nach Schimmel, rostigem Eisen und Teer. Man kann von Raum zu Raum gehen und die

Details der Räume untersuchen. Die dunklen Räume des Bunkers G3 und die abgesonderte Lage hat im Laufe der Zeit zu vielen Aktivitäten eingeladen. Gerüchten zufolge, haben neuerdings sowohl heimliche Rituale als Jugendpartys in der Dunkelheit der Bunker stattgefunden, und nicht selten werden auch Gegenstände dort gefunden, u.a. Campingausrüstung, Bücher, Matratzen und Nylonstrümpfe.

Die Gegend um Bunker G3, Dueodde, herum ist voller Kontraste. Im Wald gelegen, zwischen Dueodde Strand und einem groẞen Ferienhausgebiet, manifestieren die Geschützstände die latente Bedrohung des sorglosen Lebens, das heute auf der Insel gelebt wird. Der üppige, grüne Wald gegen den leblosen, grauen Beton. Licht gegen Dunkelheit. Freiheit gegen Besatzung. Hier hat die Geschichte wirklich schwere Spuren in der Natur Bornholms hinterlassen. Es ist beunruhigend sich vorzustellen, was passiert wäre, hätten nicht 1941 ein Eiswinter und einige Zufälligkeiten den Bau der groẞen Geschützstände ein Ende gemacht.


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