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Treffen Sie den Surf-Psychologen Dennie


Über dem tiefen Meeresboden der Ostsee wachsen die rollenden Wellen sich groẞ. Rauschend und schwer brechen die enormen Wasserberge in der Brandung an den Stränden und Felsenküsten Bornholms. Einige sind mit den Winden des Meeres den ganzen Weg von Finnland und der östlichsten Ostsee gereist und türmen sich auf, wie breite blau-grüne Kämmen, ehe sie brechen und in feine Dünungen an der Nordküste Bornholms verschwinden. Gerade dort, wo die Welle ihre Reise über die Ostsee beendet, wird sie Zentrum eines dramatischen und intensiven Spiels. Der Surfer hat die Bewegung der Welle im Körper und im Geist, wenn er auf seinem Surfbrett hinauspaddelt, um mit ihr zu spielen, gerade bevor sie stirbt und sich zu kleinen Schaumspritzern verwandelt. Ein kurzer Ritt auf der Energie der Welle in einem Flow von Gleichgewicht, Adrenalin und Befriedigung, umgeben von den Kräften des Elements und der Natur. Darum geht es.

Surfen auf Wellen stammt ursprünglich aus Polynesien und ist später über Australien und die USA nach Europa gekommen. Die Surfer Bornholms sind gekommen um zu bleiben. Einer davon ist der schwedische Surfer Dennie. Den ganzen Winter hindurch springt er bei jedem Wetter in die Wellen im Neoprenanzug, Eis im Bart, steifen Wind im Rücken und zum Getöse der Wellen über den felsigen Boden. Das ist ein Gefühl der Freiheit. Dennie ist ein Teil einer kleinen Surf-Gemeinschaft auf Bornholm. Er hat gewählt sich auf Bornholm mit seiner Familie niederzulassen, um seine Leidenschaft für Surfen auf den Wellen der Ostsee zusammen mit anderen zu teilen. Ich treffe Dennie an einem nasskalten Januartag, wo er eben an der Küste Nordbornholms bei Gudhjem surfen war. Der schlanke, kantige Mann mit wettergegerbtem Gesicht und lebhaften Augen ist von Beruf klinischer Psychologe mit eigener Praxis, er ist aber auch Surfer und Surflehrer. Wir treffen uns zu einem Gespräch über Surf-Kultur, Natur und sein Interesse für Surfen, das sich zu einem kleinen unternehmerischen Abenteuer entwickelt hat, wo Surfen, Nachhaltigkeit und Präsenz zu einem sinnvollen Ganzen verschmelzen. Dennie kommt aus Malmø und leitet seit 2012 das Surf-Konzept “Bornholm Surf Farm“ bei Gudhjem mit Blick auf die Ostsee und die verlockenden Wellen. „Das ist meine Passion“, sagt er fast als erstes. Ich frage, ob es nicht kalt ist an so einem Wintertag zu surfen. „Nein, ich habe ja Adrenalin im Blut und trage einen 7 mm Neoprenanzug – es spielt keine Rolle, ob es kalt ist, wenn man drauẞen in den Wellen ist,“ antwortet er.

Auf Bornholm surft man das ganze Jahr, natürlich aber hauptsächlich im Sommer. Für die aktiven Wintersurfer ist die Jagd nach den perfekten Wellen jedoch immer ein Teil von dem Spiel. Dennie drückt es so aus: „Das Herz hämmert schon unterwegs zum Strand, das nennt man ganz einfach Konditionierung – ich weiẞ, dass etwas Aufregendes jetzt passieren wird, jetzt werde ich vom Meer herausgefordert.“

Dennie führt mich durch die Surf Farm – und es ist tatsächlich eine Farm. Hier gibt es Pferde, Hühner, Kaninchen, Hund und Katze, einen groẞen Gemüsegarten, Obstbäume, Sträucher und ein Gewächshaus, das von einem Herbststurm zerstört wurde. Gäste und Besucher der Farm werden zu Surf-Urlaub oder Surf-Schule einschlieẞlich Gemeinsamkeit, Feuerplatz und einem Geist der Nachhaltigkeit untergebracht. Für Dennie und seine Familie ist die Natur der ganz zentrale Anhaltspunkt in ihrem Leben.

Der schwedische Psychologe surft, seit er 15 Jahre alt war. Er ist früher als Rucksacktourist gereist und hat fast überall auf der Welt gesurft. Aber nachdem er mit den Wellen der Ostsee seine Kraft erprobt hatte, war er von Bornholm, von den Wellen und der Kultur ergriffen. Vor 10 Jahren während eines Urlaubs mit seiner Frau, versuchte er zum ersten Mal in der Ostsee von Boderne nach Hasle zu surfen. Als sie nach Hause kamen, spielten sie mit dem Gedanken, nach Bornholm zu ziehen, wenn sie einmal in Rente gehen würden. D.h. als Rentner das Dasein auf der Insel zu genieẞen. Aber nach einiger Zeit, wo sie den Gedanken nicht loswerden konnten, stellte sich die Frage: „Warum warten?“ Dennie sieht mich direkt an: „Man sollte nicht damit warten, seinen Träumen zu folgen. Es ist ja meine Passion.“ Als Dennie und seine Familie zur Insel kamen, war vieles neu und anders. „Die Polizei wurde geholt, als ich an einem stürmischen Wintertag unterwegs hinaus war,“ erzählt er. „Sie meinten vielleicht, dass ich verrückt sei oder etwas Dummes tun würde, denn damals war es ganz ungewöhnlich, dass ein Mann bei starkem Wind in die Wellen hinauspaddelte.“ Einigen scheint es vielleicht eine extreme Form von Sport zu sein, aber Dennie erklärt mit ruhiger Stimme: Es geht um Hyperfokus, um Adrenalin, Kontrolle und Atmen, und auch darum seine Grenzen zu erforschen und lockerzulassen.

Nach dem Rundgang sitzen wir in dem kleinen Wohnzimmer in dem alten Bauernhaus, wo Dennie über seine Surf-Schule spricht. Neben seinem Studium und seinem Job unterrichtet er jetzt schon seit vielen Jahren Surfen. Nicht nur neugierige Anfänger und junge Leute, sondern auch sowohl Kinder als Rentner von 7 bis 75 Jahren, darunter Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen. Als wir während des Gesprächs auf das Thema Surf-Unterricht zu sprechen kommen, leuchten seine Augen begeistert auf, und er sagt mit einem breiten Lächeln: „Ich möchte, dass alle den Rush spüren – und JA! sagen. Ich kann, ich kann auf einer Welle surfen!“ Er erhebt sich resolut vom Stuhl, richtet sich auf, die Brust raus und geht mit einem groẞen Lächeln ein paar Schritte vor: „So, aufrechte Haltung. Ich erlebe, dass sie weitergekommen sind, sie haben ihre Angst und ihre Frustrationen in etwas Positives verwandelt.“ Von seinen persönlichen Erlebnissen erklärt er: „Es geht darum, den Instinkt in einer professionellen Weise einzusetzen. Man muss die Energie weg vom Geben, (z.B. in einem anspruchsvollen Job, wo man Fürsorge und Empathie erweisen soll) hin zum Empfangen lenken. Man soll die Energie der Welle empfangen und dem Flow der Welle folgen.“ Ich fange an zu verstehen, was er meint. Es geht um Erkenntnis und Selbstvertrauen im Prozess, es geht darum, der Psychologie der Welle zu folgen.

Die Passion für das Surfen und für Unterricht ergibt ein ganz anderes Leben, besonders im Sommer. Hier treffen sich Jung und Alt auf den Surf-Schulen Bornholms, und auf der „Bornholm Surf Farm“ wird man sogar ein Teil von einem schwedisch/Bornholm öko-zertifizierten Surf-Konzept. Dennie ist sich bewusst, dass er die Rolle des lässigen, coolen Surf-Typen hat, wenn Feriengäste und Surf-Schüler für den Sommer einziehen. „Ich weiẞ, ich bin ein Vorbild für viele der Jugendlichen, so als erstes sammele ich immer Müll am Strand, denn ich möchte ihnen zeigen, dass es cool ist, nachhaltig zu denken.“ Auf der Surf Farm gibt es jedoch viele andere Aktivitäten als Dennies Surf-Schule. Er lädt auch zu SUP Safari (Stand Up Paddleboard) ein, mit Ausflügen zu unter anderem Helligdomsklipperne. Aber das Spiel und die Kunst auf der Energie der Wellen zu reiten ist der Kern in der Passion der Surfer Bornholms. Es geht nicht darum, gegen die Welle zu kämpfen, sondern darum die Welle zu nutzen, ihr zu folgen und sie dir Energie geben zu lassen, so dass du vom Wasser vorwärtsgetrieben wirst. Die Wellen Bornholms laden zu starken Erlebnissen ein. Sie laden zu einem intensiven und transformierenden Spiel ein, das, laut dem Surfer Dennie, von jedem gelernt werden kann.


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