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UFOer over Østersøen

TEKST: SARA B. GILDBERG FOTO: ANDERS BEIER

Es gibt etwas da oben auf dem Himmel über der Ostsee. Etwas Unerklärliches. Phänomene aus Licht und Bewegungen, die paralysieren und faszinieren, ehe sie plötzlich verschwinden.

An einem schönen Frühlingstag 2017 sind der ehemalige Geschäftsmann und Hotelbesitzer, Bill R. Hansen, und zwei seiner Freunde – ein Polizist und ein erfahrener Fischer- zum Trollingfischen nach Lachs und Meerforellen rausgefahren. Sie befinden sich im Gebiet zwischen Gudhjem und Christiansø, als einer der Freunde, der eine Leine nach achtern hat, Bill fragt, ob er einen Drachen hinten an den Boot gebunden hat. Bill dreht sich um und sieht ein groẞes, leuchtendes Libellen-artiges Objekt, das sich von hinten dem Boot nähert. Seine beiden Kameraden sehen es auch. Das Objekt scheint einen Durchmesser von etwa 35 – 40 Metern zu haben, und es stoppt ungefähr 150 Meter vom Boot. – „Es stoppte und stand still in der Luft. Ich fühlte, dass es uns beobachtete,“ erzählt Bill. Er erklärt, dass er keine Angst hatte, aber gefasst Lyngby Radio mit dem VHF anrief. Das Objekt stand etwa 20 – 30 Sekunden still, wonach es schnell verschwand, als ob es rückwärts fliegen würde, mit einer Geschwindigkeit von 2oo Kilometern pro Stunde. Lyngby Radio kann die Position der Fischer mithilfe ihres AIS (Automatic Identification System) bestimmen, und verbindet Bill weiter mit „Værnsfælles Forsvarskommando“ und der Radarstation in Kastrup. Keine Radare empfangen aber etwas Ungewöhnliches auf der Position. – „Der Polizist machte eine Zeichnung des Objekts auf einer Serviette an Bord, und später half mir jemand mit einem Phantombild und einer Animation,“ erzählt Bill.

Jedes Jahr werden mehrere unerklärliche Phänomene im Luftraum über Bornholm observiert. Viele der Observationen werden der dänischen UFO-Datenbank bei „Skandinavisk UFO Information“ (SUFOI) rapportiert und dort registriert. Die primäre Aufgabe der SUFOI ist Aufklärung der Bevölkerung, und seit 1959 ist der leitende UFO-Experte Dänemarks und ehemalige Investitionsratgeber, Ole Henningsen, ein Teil der dänischen Zusammenarbeit in Bezug auf Aufklärung und Verständnis des Observierten gewesen. – „Dem Anschein nach gibt es von Zeit zu Zeit ziemlich viel Aktivität um Bornholm, aber die weitaus meisten Observationen haben eine logische Erklärung und rühren von Phänomen her, die wir schon kennen,“ erzählt Ole Henningsen. Es gibt aber ein paar Berichte, die besonders auffallen, sogar einem erfahrenen UFO- Detektiv. Z.B. die Erzählung Bill R. Hansens und seiner Freunde. Obwohl eine Reihe von Experten die Observation untersuchten – u.a. Ole Henningsen, der Abwehrdienst, ein Drohnen-Hersteller und TV2 – kann niemand aufdecken, was Bill und seine Freunde an dem Frühlingstag auf der Ostsee observierten.

Für Bill steht das Erlebnis immer noch stark in der Erinnerung: – „Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen. Ich war verwirrt. Ich möchte ja so gerne wissen, was es war.“ – Und fragt man Bill, was er heute über das denkt, was sie damals sahen, sagt er: – „Ich habe es hinter mich gebracht. Und was ich auch über das denke, was wir sahen, dann betrifft es nur mich, deshalb möchte ich mich also nicht dazu äuẞern.“

Die Beobachtung Bill R. Hansens und seiner Freunde ist, wie viele andere zivile Berichte, in der Datenbank von SUFOI registriert worden, in der bis zum heutigen Tag mehr als 15.000 dänische UFO Berichte aufbewahrt sind. Aber auch der Abwehrdienst hat im Laufe der Zeit Beobachtungen gesammelt. 2009 veröffentlichte „Det Danske Flyvevåben“ (Flugwaffe) ihre sogenannten „X-files“. Sie wurden der SUFOI und Ole Henningsen übertragen und bestanden aus 329 Seiten mit UFO Berichten aus der Periode 1978 – 2002. Die Berichte sind eigentlich nie heimlich gewesen, verstaubten aber nur im „Flyvertaktisk Kommando“ in Karup (Flugplatz). Nur die Identität der Beobachter ist für die Öffentlichkeit heimlich gewesen. Fragt man Ole Henningsen, ob die Datei der Flugwaffe Informationen enthält, die UFO Interessierte in Staunen setzen können, ist die Antwort „Nein“. Und doch. – „Es gibt tatsächlich gewisse Berichte im Material, die interessant sind,“ erzählt er.

Ole Henningsen arbeitet im Moment in „Rigsarkivet“ (Nationalarchiv), wo er ausgewählte Teile der UFO Berichte der Streitkräfte aus den 1950er, sechziger und siebziger Jahren, auf die er Zugriff bekommen hat, sorgfältig erforscht. Und später dieses Jahres erscheint sein erstes Buch in einer Serie über „Die Dänischen X-Files“, in der auch die UFO Berichte Bornholms eine Rolle spielen. Er erzählt von zwei spannenden Beobachtungen aus den 1950er Jahren: im September 1952 sehen ein Kapitänleutnant Schmidt-Jensen und mehrere Besatzungsmitglieder des dänischen Torpedoboots, P521 Willemoes, während der NATO-Übung „Operation Mainbrace“ nördlich von Bornholm, ein dreieckiges, leuchtendes Objekt über den dunklen Himmel fliegen, mit einer Geschwindigkeit von angenommen 1500 Kilometer pro Stunde. Und 1956 folgen die NATO-Radaranlagen auf Bornholm einer Reihe von UFOs in Form von nicht identifizierten Echos auf dem Radar über der Ostsee. Die UFOs erschienen in Gruppen von 3 – 5 Stück und wurden ganze 3 Wochen um Bornholm herum beobachtet. – „Das Problem ist aber, dass die Observationen zeitlich recht weit zurückliegen, was es an sich schwieriger macht, sie heute weiter zu erforschen. Auẞerdem sind oft unglaublich wenige Details über sonst anscheinend spannende Berichte aus zuverlässiger Quelle notiert worden. Das macht es fast unmöglich die Berichte weiter zu erforschen,“ erzählt Ole Henningsen.

 

 

Viele neuere Beobachtungen können nach Ole Henningsen mit z.B. Fallschirm-Leuchtsterne bei Militärübungen erklärt werden, wie z.B. im Jahre 2010 als ein Flugleiter aus Bornholm eine Reihe von ungewöhnlichen Aufleuchten südöstlich des Dorfes Poulsker mehr als eine Stunde verfolgte. – „Die meisten dänischen Beobachtungen und UFO-Fotos können mit Natur- und Wetterphänomenen erklärt werden, oder es zeigt sich, dass sie identifizierbare Objekte sind, so wie Fallschirm-Leuchtsterne, Heiẞluftballons, Drohnen, Satelliten oder Flugzeuge. Aber selbstverständlich macht das nicht die Erlebnisse für die Leute weniger intensiv, die tatsächlich unbeachtet Zeugen der unmittelbar unerklärlichen Phänomene sind,“ erklärt Ole Henningsen.

Generell handelt es sich auch sehr viel um Psychologie, erklärt Ole Henningsen. – „Es ist nicht ungewöhnlich, dass, wenn erst eine Beobachtung öffentlich bekannt wird, andere Leute anfangen etwas Ähnliches zu sehen.“ Es geht unter anderem um Perzeptionspsychologie – also wie das Gehirn Sinneswahrnehmungen auffasst und verarbeitet. – „Ich sage oft, dass wir das sehen, was unser Gehirn gerne will, dass wir sehen,“ sagt Ole Henningsen und geht weiter: – „Wir wissen auch, dass so etwas wie Entfernungsschätzung sehr schwierig sein kann. Ich habe einen brennenden Satelliten gesehen, der, wie ich schätzte, 1,5 Kilometer weg war. Es zeigte sich später, dass die Entfernung 150 Kilometer war.“

Ole Henningsen erzählt auch, dass es keine besonderen charakteristischen Eigenschaften an den Menschen gibt, die UFOs sehen. – „Gar nicht. Es sind alle Typen von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Das einzige, was wir wissen, ist, dass es, jedenfalls früher, bestimmte Zeitpunkte gab, wo es angeblich mehr Beobachtungen gab als zu anderen Zeitpunkten. Z.B. gleich nach den Nachrichten im Fernsehen, in der Tat ganz genau um 20:45 Uhr. Und dann wissen wir, dass Hundebesitzer, die mit dem Hund auf die Straẞe gehen, ein bisschen öfter rapportieren.“ Ole Henningsen lacht herzlich, ehe er fortsetzt: – „Aber vielleicht hängt es so zusammen, dass so viele gleich nach den Nachrichten mit dem Hund hinausgehen, und deswegen in den Himmel schauen.“

Zivile UFO-Berichte können über die Homepage von SUFOI www.sufoi.dk gemeldet werden, und in der Datei von SUFOI sieht man, dass jedes Jahr neue Berichte von nicht identifizierten Objekten über und um Bornholm erscheinen. An einen groẞen Teil der Beobachtungen knüpft sich eine natürliche Erklärung, aber nicht an alle. Es gibt nicht immer eine logische Erklärung für das, was die Leute beobachten.

Es gibt viele gute Gründe hinauszugehen und den Nachthimmel über Bornholm zu betrachten. Die geografische Lage Bornholms und ein geringer Grad von künstlichem Licht aus den Städten machen es

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möglich die Himmelskörper und die astronomischen Phänomene unter idealen Verhältnissen zu beobachten. Versuchen Sie es selbst. Nicht nur ist es an einem sternklaren Abend auẞergewöhnlich schön, sondern es kann auch ein besonders denkwürdiges Erlebnis werden. Denn eines ist, das zu glauben, was andere gesehen haben. Etwas Anderes ist, ein nicht identifiziertes fliegendes Objekt mit eigenen Augen zu sehen.

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